Die Geschichte

 

 

       
 

Die Vorgeschichte der Schweriner Schützenzunft

Nicht ganz so alt wie die Vereinigungen in Parchim, Güstrow, Rostock oder Gadebusch ist die Schweriner Schützenzunft. Die Veranlassung zu ihrer Gründung war in Ihrem Ursprung eine durchaus traurige.

Wie schon öfter und besonders während des 30 jährigen Krieges (1618-1648) war 1638 eine von fremden Truppen eingeschleppte seuchenartige Krankheit in Schwerin ausgebrochen. Sie griff dermaßen schnell um sich, dass es bald an Händen fehlte, die Opfer zu beerdigen. Nicht einmal die einzelnen Handwerksämter konnten ihre Zunftgenossen, wie sonst üblich, zu Grabe tragen. In der Not bildeten sich in der Stadt, im Juni und September des Jahres, fast gleichzeitig zwei Vereinigungen von Bürgern, die sich zur Aufgabe machten, für die Bestattung der Zunftgenossen, ihrer Familien und ihres Gesindes zu sorgen.

Der älteren oder "kleineren" dieser beiden Totenzünfte oder auch Totenbeliebungen gehörten meist Handwerker und einfache Leute an. Der zweiten, im September von dem Ratsherren Heinrich Scheffues ins Leben gerufenen Totenzunft, gehörten 19 Mitglieder aus Rats-, Beamten-, und besseren Bürgerkreisen an. Aus dieser letztgenannten Totenzunft, der jüngeren oder "großen", entstand nun im Jahre 1640 die ältere Schützenzunft, indem "Alterleuthe und samptliche Brüderschaft" an Herzog Adolf Friedrich I. die Bitte richteten, sie "alß nemblich mit dem Vogelschießen zuvorderst aber Aufrichtung einer Fogelstange auf Pfingsten mit dem Schieben (Scheiben) Schießen, von Ostern bis Johannes" zu privilegieren und den Schützenkönig, "welcher den Vogel von der Stange scheust", für das Jahr seiner Königswürde von "Matt Accise und allen anderen Beschwerungen" zu befreien.

 

 
 

Die Gründung der Schweriner Schützenzunft

Der Herzog bestätigte der jüngeren Totenzunft am 26. Mai 1640 ihre Ordnung, womit dieses Datum in der Geschichte, als Gründungsdatum der Schweriner Schützenzunft betrachtet wird.

Wenige Jahre später durfte sich die Zunft auch ihr eigenes Schützenhaus "nächst unter dem Windmühlenberg", d.h. an der Stelle des heutigen Augustenstiftes, in der Schützenstraße, erbauen, wo es bis 1850 seinen Zweck erfüllte. Der Königsschuss erfolgte auf eine Scheibe. Außerdem wurden silberne Löffel und Zinnsachen als Preise  geschossen.

 
   

Bilder rechts:
Zwei historische Pokale der Schweriner Schützenzunft

      
Bilder unten:
Zwei historische Zinnbecher der Schweriner Schützenzunft

 

    

       
  Bild unten:
Historische Königskette der Schweriner Schützenzunft aus dem Jahre 1654

 

 

 

Die ältere oder "kleinere" Totenzunft erhielt am 06. Februar 1731 ebenfalls das Recht des Königsschusses, so dass seit diesem Zeitpunkt zwei Schützenzünfte in Schwerin existierten. Sie errichtete ihr Schießhaus an der heutigen Münzstraße am Beutel. Die Festlichkeiten beider Schützenzünfte fanden auf den Schießplätzen und Schießhöfen in der Vorstadt (Schützenstraße) und auf der Schelfe statt. In späterer Zeit, so um 1810, vereinigten sich, aufgrund von Geldschwierigkeiten, beide Zünfte und nutzten das Schützenhaus gemeinsam. Im Jahre 1850 wurde das Schützenhaus (Augustenstift) verkauft. Die Zunft siedelte nach dem Schelfwerder über, wo neben dem Forsthaus, den Schießständen des damaligen Militärs und der Schützenzunft seit 1849 eine Gastwirtschaft bestand. Viele Jahre wurde auf diesem Gelände dann so mancher Schützenkönig gekürt.

 
 


Aus einer der letzten Zeitungsmeldungen über die Schweriner Schützenzunft, vor Beginn des 2. Weltkrieges, geht hervor, dass 1939  die Stadt Schwerin  8000,- Mark zum Ausbau von neun neuen Schießständen auf der Schelfe zur Verfügung stellte.

 
 

Zitat: "Dann ergriff auch der Oberbürgermeister Dr. Timmermann das Wort und machte für das im nächsten Jahr (1940) stattfindende 300-jährige Schützenfest wichtige Mitteilungen, die die Schützenzunft mit besonderer, lebhafter Freude aufnahm. Dr. Timmermann teilte mit, daß die Stadt sich entschlossen hat, 8000,- Mark für die Herrichtung von drei Wehrmannschaftsschießständen und sechs Kleinkaliberschießständen zur Verfügung zu stellen; der für die Neuanlage erforderliche Rest von einigen tausend Mark wird durch freiwillige Arbeitsleistungen aufgebracht werden. So kommen zu den schon bestehenden 24 Schießständen noch weitere neun dazu." (Es handelt sich dabei um den ehem. Schießstand auf dem Schelfwerder.)

 

 
  Danach ist die Geschichte der Schweriner Schützenzunft nicht mehr genau nachweisbar und endet vorerst mit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945.

 

 
 

Der Schießsport zu DDR-Zeiten bis 1989

In den Jahren von 1952 - 1989 wurde der Schießsport in der damaligen DDR durch die Gesellschaft für Sport und Technik (GST), von der Armeesportvereinigung der NVA (Armeesportklub-ASK) und von der Sportvereinigung Dynamo betrieben. Obwohl hier der Leistungsport absoluten Vorrang hatte, wurden vielerorts Schützenfeste durchgeführt, die an die alten Traditionen erinnerten. So wurde in Schwerin 1988 das 10. Stadtschützenfest, und damit auch das letzte vor der Wende, von der GST und der SVZ organisiert. Diese Schützenfeste waren, was die Pflege der Tradition betraf, aber nicht vergleichbar mit denen nach alter oder der nach 1990 wieder eingeführten Traditionen. Was die Anteilnahme und Beteiligung der Bevölkerung betraf, waren diese Stadtschützenfeste aber Höhepunkte im Leben der Stadt. Da in dieser Zeit Könige und Majestäten verpönt waren, wurden stattdessen Stadtmeister und Platzierte ausgeschossen und Preise vergeben.

 

 
 

Die Wiederbelebung der Zunfttradition nach 1990

Die alten Traditionen der Vereine, Zünfte und Gilden lebten in unserem Land erst wieder ab 1990 auf. Da 1990 noch nichts über die alte Schweriner Schützenzunft bekannt war, gründeten 13 Sportschützen am 22.02.1990 den "Schützenverein Schwerin-Krösnitz 1990".
Seit Gründung leitet Schützenbruder Jürgen Kaprol als Vorsitzender die Geschicke der Zunft.

Nachforschungen in der Stadtgeschichte und Informationen von Schweriner Bürgern gaben Hinweise auf die ehemalige Existenz der alten Schweriner Schützenzunft. Es galt nun nachzuweisen, dass man gewillt war, die alten Traditionen wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Im Mai 1992 durfte der "Schützenverein Schwerin-Krösnitz 1990" den Namen der alten Zunft annehmen. Seit diesem Zeitpunkt gibt es wieder eine "Schweriner Schützenzunft von 1640 e.V.". Nach langwierigen aber erfolgreichen Bemühungen der Zunft und mit Unterstützung des Schweriner Sportamtes, konnte auf dem ehemaligen Gelände des GST Leistungszentrums Sportschießen, in Schwerin auf der Halbinsel Krösnitz, die neue Heimstadt der Schweriner Schützenzunft gefunden werden.

Neben der Pflege der Tradition, so wird z. B. jedes Jahr seit 1990 der "König", seit 1991 die "Königin" und der "Jugendkönig" ausgeschossen (von 1994 bis 2001 wurde auch der "Kinderkönig" ausgeschossen, was aber keinen Anklang bei den Jüngsten fand und so kämpfen diese zusammen mit der Jugend um den Titel), widmet sich die Zunft verstärkt dem breitensportlichen Schießbetrieb und dem sportlichen Schießen nach den Bedingungen des Deutschen Schützenbundes (DSB). Zahlreiche Landesmeistertitel, Medaillen bei Deutschen Meisterschaften und bei Pokalwettkämpfen stehen zu Buche. 1994 wurden aus der Schweriner Schützenzunft die beiden Juniorenschützen Christin Hagenstein und Gunnar Kirchhof - Junioren-Europameister -.

Aber unsere Mitglieder können nicht nur mit ihren Sportwaffen umgehen. Auch die kulturellen Veranstaltungen im Vereinsleben, wie Preisskat, Osterfest, Weihnachtsschießen und Schützenbälle haben sich zu einer guten Tradition entwickelt. Nicht vergessen werden soll das hohe, auch finanzielle Engagement der Mitglieder bei der Pflege, Erhaltung und Erweiterung der Vereinsanlagen und Einrichtungen. Für viele Mitglieder ist deshalb unser Zunftgelände zu einer echten Heimstatt geworden, die es auch weiterhin zu erhalten und zu pflegen gilt.

Seit der Neugründung der Schweriner Schützenzunft haben sich zahlreiche Kontakte und Beziehungen zu Schützenvereinigungen im Land und darüber hinaus entwickelt. Wir sind Gäste der jährlich stattfindenden Schützenfeste unserer Partner, aber auch Gastgeber bei Schützenfesten in unserer Stadt. Besondere Beziehungen bestanden jahrelang auch über die Landesgrenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus zu dem Lübecker Schützenverein von 1839 e.V. und zum Schützenverein Bremen-Lesum, die uns beim Start in die neue Ära des Schützenwesens behilflich waren. Zum Schützenverein Hamwarde besteht auch heute noch regelmäßig Kontakt. Außerdem wurden Kontakte zur Wittenberger Schützengilde von 1582 e.V. und zur Schützengilde Salzwedel von 1475 e.V. aufgebaut. Mögen sich diese Beziehungen erhalten und im Interesse des Schützenwesens weiterentwickeln.

Am 10.04.1999 wurde in der Schweriner Schützenzunft von 1640 e.V. beschlossen, über das „klassische“ Schützenwesen hinaus eine neue Sparte des Schießsports aufzubauen, das Bogenschießen. Diese Sportart erfreut sich großer Beliebtheit und wem das Knallen der Kugelschützen zu laut ist, der versucht sich im Umgang mit Pfeil und Bogen bei den Bogenschützen.

Wir hoffen, dass wir auch Dich bald als unseren Gast oder als Mitglied in unserer Zunft willkommen heißen können.